Persönlichkeiten
Hans Dietrich von Zanthier -
Oberforst u. Jägermeister
Zu den Wegbereitern unserer heutigen modernen Waldbewirtschaftung gehört Hans Dietrich von Zanthier. Als forstlicher Praktiker gilt er auch als Begründer der rationellen Forstkultur. Bahnbrechend wirkte der Lehrer und Schriftsteller von Zanthier auf den Teilgebieten z.B. der intensiven künstlichen Bestandsbegründung, der forstlichen Ausbildung, der Durchforstung von Beständen und der Pflanzencamps.
Hans Dietrich von Zanthier wurde 1717 in Salzfurtkapelle geboren. Seine Ausbildung erhielt er in Wolfenbüttel, in Blankenburg bei Forstmeister von Langen und in Norwegen. Als Forstmeister trat er 1747 in den Dienst der Grafen zu Stolberg-Wernigerode mit dem Auftrag die gräflichen Forsten "in eine erwünschte Aufnahme zu bringen und die Einkünfte zu mehren."
In seiner 30 jährigen Tätigkeit in Ilsenburg wandelte er die Forsten zu ertragreichen Wirtschaftswäldern um, die zu "einem Muster und einer lebendigen Richtschnur für alle Waldbesitzer" wurden. Um 1770 gründete Hans Dietrich von Zanthier die 1. Deutsche "Forstakademie".
Nach seinen Plänen und Vorstellungen bildete er an der forstlichen Lehrstätte viele Forstpraktiker aus. Sein Hauptanliegen war die Verbindung von Theorie und Praxis. Forstwissenschaft, Grundbegriffe des Waldbaus, des Forstschutzes, der Forstnutzung, Saat- und Pflanzverfahren, standortgerechte Holzartenwahl, Bestandsgründungen, Vermessung und Kartierung und viele andere Themen griff der Oberforst- und Jägermeister auf.
Experten schätzten ein, dass "wir Zanthiers Schule eine Menge guter und mehrere unserer besten Forstmänner zu danken haben." Im Jahre 1778 nach dem Tod von Hans Dietrich von Zanthiers wurde die Forstakademie geschlossen.
Viele Schriften und Werke über Probleme der praktischen und theoretischen Forstwirtschaft z. B. über den Zusammenhang zwischen Waldzustand und Wildbestand, Wildwiesen, Fütterungen, die Verbesserung der Köhlerei und Arbeitsorganisation im Forst verdanken wir dem begnadeten Oberforstmeister.
Seinen Aufsatz "Kurzer systematischer Grundriß der praktischen Forstwirtschaft", eine Anleitung zur "Gewinnung, Nutzung, Erhaltung und Verbesserung des Waldes" verfasste er 1764. Interessante forstliche Ratschläge, die auf eigene Erfahrungen beruhen, enthält der "Forstkalender". Es ist ein Handbuch über "Verrichtungen, die einem Forstmann in einem jeden Monate des Jahres vorzüglich obliegen."
Die Kiefern an den Westerklippen, die ausländischen Bäume im heutigen Zanthierpark, die Baumarten im Lustgarten Wernigerode und die Bestände an Lärchen zählen zu seinen forstwirtschaftlichen Versuchen, die noch heute zu entdecken sind.
Die rationelle Forstkultur wurde zum Vorbild der Forstwirtschaft in ganz Deutschland. Seine Forderung: "die uns noch übrig gebliebenen Wälder in besseren Stand zu setzen und gute Wirtschaft zu treiben, damit wir sie erhalten können..." besteht noch heute.
Der Zanthierplatz im Ilsetal unterhalb des Ilsesteins und der 1955 angelegte Zanthierpark mit dem Gedenkstein neben dem Gebäude der 1. Deutschen Forstakademie tragen seinen Namen.
