Persönlichkeiten

Hermann Greifeld - Ehrenbürger der Stadt Ilsenburg

"Eck schriewe in jede Minute, dä eck Tied hewwe", sagte er einmal in einem Interview.
Und so lebte der weit über die Grenzen Ilsenburgs hinaus bekannte Heimatdichter, Harzer Jodlermeister, Wanderführer und Heimatforscher durch sein Werk im Gedächtnis und in den Herzen der Menschen weiter.

Die Abgeordneten der Stadt Ilsenburg ehren sein unermüdliches Wirken für Ilsenburg am 10. Juli 1991 - wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag - mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt.

Der am 27. Juni 1901 in Ilsenburg geborene Hermann Greifeld sollte Lehrer werden, aber die Eltern brauchten ihn in ihrem Fuhrgeschäft. So wird er ein Harzer Fuhrmann, der die ganze Schönheit der Harzer Wälder zu allen Zeiten des Jahres, aber auch das schwere Leben der einfachen Menschen in Not- und Kriegszeiten und unter diktatorischer Gewaltherrschaft kennenlernt. Davon erzählt auch sein erstes Buch "Mit dä Bodefrue oppm Patt", was 1984 erscheint.

Nach dem 2. Weltkrieg engagiert sich Hermann Greifeld bei der Schaffung von Wanderwegen, Verschönerung von Parkanlagen und sieht sich auch dann als Mitglied des Harzklubs, als dieser 1949 verboten wird.

Die Gedenkstätten für Zanthier und Heine, der Gesteinslehrpfad, die Sonnenwürfeluhr und der Piepenpal, all dies und mehr gehen auf Anregungen Hermann Greifelds zurück.

Als er Rentner wird, helfen ihm zahlreiche "Cousins" die Veranstaltungen des Harzklubs im Westharz zu besuchen, und als am 11. November 1989 im Eckertal die Grenze fällt, stehen dem 88jährigen Tränen der Freude in den Augen.

Nicht immer war sein Leben eitel Sonnenschein. Den einzigen Sohn verliert er im 2. Weltkrieg, die Gattin geht ihm 1986 in die Ewigkeit voran, aber immer wieder findet er Kraft durch die Naturschönheit des Harzes, seine Dichtung, seine Musik.

Jahrzehntelang wirkt er im Volkschor "Concordia", viele Jahre in der Wernigeröder Sing-, Spiel- und Jodelgruppe, wo er auch die große Freude erlebt, dass seine Enkelin Gesine in seine Fußstapfen tritt.

Zwei Jahre sind ihm im wiedervereinten Harz noch vergönnt. Bis wenige Wochen vor seinem Tod steht er auf der Bühne, mit Liebe, Witz und ungebrochener Energie von der Schönheit des Harzes erzählend und singend.

Vieles hatte er noch vor, aber am 21. September 1991 kommt der Große Schweiger und nimmt ihm den Stift für immer aus der Hand.

Solange seine Geschichten und Lieder unter uns sind, solange sich Menschen - wie er - für die Pflege und den Schutz unserer schönen Heimat einsetzen, solange wird das Andenken an ihn weiterleben. Und wenn er diese Zeilen lesen könnte, würde er vielleicht mit seinem unvergessenen Schmunzeln sagen: "Sau hewwe eck et ewollt"!

(Daten und Fakten entnommen aus:" 995-1995 1000 Jahre Ilsenburg/Harz, Margarete Jurkowski-Potutschek")