Persönlichkeiten

Faktor Peter Engelbrecht

Die bedeutendste Persönlichkeit im Ilsenburger Hüttenwesen während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der Faktor Peter Engelbrecht.

Geboren 1528 zu Stolberg (Harz) als Sohn eines Amtsschössers zu Sondershausen kam der 20jährige Junggeselle 1550 zunächst zum hiesigen Messinghandel und stieg in wenigen Jahren zum Eisenfaktor empor. Durch diese Stellung, aber auch durch Einnahmen aus dem ihm übertragenen Naturalienhandel für die Hüttenbelegschaft war er zu einem beachtlichen Wohlstand gelangt. Darum konnte er seiner jungen Ehe mit Ottilie Breymann durch Erwerb von Wiesen und Ackerland eine gute wirtschaftliche Grundlage geben.

Auch für das Gelände westlich vom Drahtteich, also die heutige Parkanlage am Forellenteich, erlangte er 1574 einen Erbzinsbrief und legte dort einen Garten und zwei Fischhelter an. Vermutlich war in unmittelbarer Nähe auch sein Wohnhaus.

Die Hüttenwerke erhielten unter seiner Leitung eine solche Bedeutung, wie "dergleichen keines in Deutschland zu finden". Geschäftsbeziehungen bestanden unter anderem nach Magdeburg, Leipzig, Braunschweig, Lübeck und Hamburg. Diese günstige industrielle Entwicklung führte im Ort durch den Zuzug von Fachleuten wie Pucher, Former, Gießer, Frischer, Blechschmiede und Zainer zu einer regen Bautätigkeit. Es entstand eine "Neustadt". Die Errichtung einer Ziegelhütte unter dem Kalkberg und einer weiteren Gastwirtschaft, dem Stelzenkrug, ist direkt auf Engelbrechts Anregung erfolgt.

Auch die Gründung der evangelischen Gemeinde im Jahre 1567 wurde erst möglich, nachdem der Faktor zum Bau des Pfarrhauses einen Garten zur Verfügung gestellt hatte. Vorher schon war seine Mitwirkung zum Einbau einer Prieche in der Marienkirche bei deren Einweihung lobend erwähnt worden.

Den Höhepunkt seines Wirkens erreichte Peter Engelbrecht, als der Graf Christoph zu Stolberg ihn 1580 zum Administrator des Klosters ernannte, da er selbst sich um seine Liegenschaften am Rhein kümmern mußte. Bis 1597 versah der Faktor dieses neue Amt auf eigene Rechnung im Dienste des gräflichen Hauses. Die letzten drei Jahre war er allerdings durch einen Schlaganfall behindert, wurde aber unterstützt durch seine Söhne, Peter als Stellvertreter bzw. Heinrich als Klosterschreiber. Die Leitung der Eisenhütte hatte sein Schwiegersohn Adam Börner inne.

Die Finanzverhältnisse des Grafenhauses hatten sich inzwischen derart verschlechtert, das viele Objekte , unter anderem auch das Kloster Ilsenburg an den Hauptgläubiger Statz von Münchhausen verpfändet werden mußten. Auf dessen Betreiben wurden die Engelbrechts, Vater und Sohn , 1597 abgesetzt. Nur ein Jahr noch überlebte der Klosteradministrator diesen Schicksalsschlag. Mit dem Tode des Peter Engelbrecht sen. 1598 war für Ilsenburg eine Ära zu Ende gegangen, in der dieser tatkräftige Mann die bestimmende Rolle gespielt hatte.

(Daten und Fakten entnommen aus:" 995-1995 1000 Jahre Ilsenburg/Harz, Hans Riefenstahl")